In eigener Sache: Transparenz zu Vorwürfen

CN: Sexualisierte Gewalt

Seit geraumer Zeit werden auf verschiedenen Wegen Vorwürfe gegen uns erhoben. Darin heißt es, wir hätten einen problematischen und unsolidarischen Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt.

Diese Vorwürfe basieren auf einer konkreten Situation in unserer Vorgänger-Orga (FFF OHZ), zu den Anfängen unserer Politisierung 2021/2022. Beteiligt waren (auch) Menschen von uns. In der damaligen Situation wurde sich bemüht, eine Betroffene von sexualisierter Gewalt zu unterstützen. Dabei ging es auch um den Umgang mit Menschen, die sich ihr gegenüber unerfahren, unachtsam und damit verletzend verhalten hatten. Professionelle Hilfe wurde zu diesem Prozess nur spärlich hinzugezogen.

Unter den Prämissen, dass wir bis heute nicht an kritischer Auseinandersetzung mit dem damaligen Verhalten der Beteiligten interessiert wären und der Betroffenen aktiv schaden wollen, wird öffentlich der Ausschluss unserer gesamten Gruppe aus sämtlichen „linken Räumen“ gefordert. Eine (kritische) direkte Auseinandersetzung mit uns und unseren Auffassungen wird als unnötig dargestellt und erschwert.

Zu diesen Vorwürfen haben wir in Kürze Folgendes zu sagen:

  • In der damaligen Situation haben Leute von uns Fehler gemacht, die der Betroffenen ungewollt weiteres Leid bereitet haben. Dies beschäftigt die Betroffene bis heute. Das räumen wir vollständig ein.
  • In den letzten Jahren hat es in verschiedenen Kontexten Reflexionen dazu gegeben. Daraus folgten Überlegungen, wie heute besser gehandelt werden könnte.
  • Teilweise haben wir tatsächlich ein anderes politisches Verständnis von einem Umgang mit Menschen, die sich falsch verhalten haben, als die vorwurfsstellenden Leute es haben. (Hiermit meinen wir explizit nicht den Umgang mit dem Täter.)

Da sich Gerüchte in der Szene schnell verbreiten, möchten wir Folgendes einmal klarstellen:

Der damalige Täter war nie Teil der FFF-Gruppe, noch hatte diese Kontakt mit ihm. Mit der heutigen Gruppe genauso wenig. Niemand der damals Beteiligten hat den Täter geschützt – sei es vor Konsequenzen, vor kritischer Auseinandersetzung mit der Tat oder seinen Gedanken, die solch einem Übergriff vorausgehen. Im Gegenteil: Konsequenzen für ihn wurden befürwortet. Alles andere fänden wir in der Tat falsch und fanden die damals Beteiligten auch schon falsch.

Die gängige Praxis in der „Bremer linken Szene“, die wir erleben, sich nach Hören der Vorwürfe wie gefordert, tatsächlich vollständig von uns abzuwenden bzw. uns auszuschließen und sich nicht (kritisch) direkt mit uns und unserer Position auseinander zu setzen, finden wir fragwürdig und ärgerlich. Aus zwei Gründen:

Allgemein politisch: Wie patriarchale Gewalt selbst, ist auch ein fehlerhafter Umgang mit ihr kein Einzelfall, sondern Produkt und Realität dieser (Konkurrenz-) Gesellschaft. Gibt es irgendwo Fehlverhalten (was wir bei uns grundsätzlich überhaupt nicht ausschließen), dann ist doch gerade eine direkte kritische Auseinandersetzung mit konkretem Verhalten oder konkreten Überlegungen wichtig. Mit dem Ziel, dass Menschen in Zukunft anders handeln, ist doch ein pauschaler Ausschluss aus einer Szene, wie hier, in einem strafenden Sinne, politisch kontraproduktiv.

Auf uns als Gruppe bezogen: Da wir das Internet aus offensichtlichen Gründen nicht für einen geeigneten Ort halten, dort Reflexionen und Überlegungen zu einem konkreten Fall mit viel persönlicher Betroffenheit ausführlich darzulegen, haben wir dies bisher bewusst nicht getan. Stattdessen haben wir unsere (anonymisierten) Überlegungen persönlich mit etwaigen Bündnisgruppen und -menschen besprochen und diskutiert. Inzwischen haben die Ausschlussforderungen und Vorverurteilungen jedoch so ein Ausmaß erlangt, dass es für Bündnisgruppen eine Gefahr darstellt mit uns zusammenzuarbeiten. Es kommt so oft überhaupt nicht mehr im Ansatz zu Gesprächen und wir sind persönlich teilweise Gewaltandrohungen ausgesetzt. Das ist eine Situation, in der wir politisch kaum mehr handlungsfähig sind. Diese Feststellung soll weder eine Schuldanklage noch eine Relativierung des Leides der Betroffenen sein. Sie soll einzig erklären, warum wir uns nun „plötzlich“ doch öffentlich äußern.

Wir wollen ankündigen, die damalige Situation mit verschiedensten Menschen nochmals neu zu reflektieren und die Ergebnisse dann zu verschriftlichen. Damit wird für die Leute, für die nach diesen knappen Ausführungen alles noch etwas unklar ist, auch klarer worum es genau geht. In diesem Zuge wollen wir auch unsere politischen Schlüsse dazu darlegen. Wir wollen darstellen:

Warum wurde damals wie gehandelt? Wie ist dies ggf. zu kritisieren? Was folgt für uns heute daraus?

Dafür werden wir in der kommenden Zeit unsere politische Arbeit weitestgehend einstellen und uns diesem Thema widmen. Diese (anonymisierten) Ausführungen und Überlegungen werden dann allen ernsthaft interessierten Menschen zugänglich gemacht. Ins Internet werden wir sie nicht stellen.

Wir sind gerne bereit, dann dazu in den Diskurs zu gehen. Dafür gibt es bekannte Kontaktmöglichkeiten.

Das Kollektiv Morgenrot