Rede 1: Die Konsequenz des rechten Denkens

Man kennt es: AfDler spielen sich immer wieder auf, als die Vertreter*innen der „einfachen Leute“. Sie würden das Leid der hart arbeitenden Menschen in dieser Gesellschaft kennen und wollen für sie Politik machen. Wer denkt, es ginge ihm mit der AfD besser, der irrt gewaltig. Die Konsequenzen des AfD Programms sind ein einziger Angriff auf alle Menschen, denen es jetzt schon schlecht geht. Das möchte ich nun einmal aufzeigen:
Zuerst kann man klar feststellen: Ja, vielen Leuten geht es schlecht hierzulande. Und gerade unter uns Jugendlichen gibt es auch mehr als berechtigt Sorgen und Ängste um die ganz persönliche Zukunft: Die nächsten 50 Jahre darf man sein Leben der Arbeit widmen, bzw. hoffen, dass seine Arbeitskraft gebraucht wird, bei der nächsten Inflation kann man damit vielleicht nicht mal mehr über die Runden kommen, das Ganze, um im Alter dann zu vereinsamen, mit einer Rente, die so gering, wie ungewiss ist. Wenn man nicht vorher schon in einen Krieg eingezogen wurde oder psychisch zerbrochen ist, kann man sich dann dazu noch den Horror der Erderwärmung ansehen. Natürlich sollte man sich dagegen wehren, sich nicht damit abfinden, dass seine eigenen Interessen derart geschädigt werden. Wie müssen uns mit den Ursachen beschäftigen und entsprechend handeln.
Und genau das macht die AfD… Nicht.
Sie überzeugt so viele unzufriedene Menschen weder mit dem Aufzeigen von wirklichen Gründen für ihr Leid noch mit dem Ziel dieses zu beenden. (Dann wäre man ziemlich schnell bei einer grundlegenden Kapitalismuskritik.) Vielmehr aber hört man immer eins:
„Deutschen geht es schlecht – aber schaut, für Flüchtlinge ist Geld da.“ oder „Deutsche Rentner sind arm – aber schaut, Deutschland zahlt Entwicklungshilfe.“ Das diese Zusammenhänge keine sind; es armen Menschen ohne Entwicklungshilfe oder Geflüchteten genauso schlecht geht, dass interessiert hier weder die AfD noch ihre Anhänger*innen.
Das reale Leid der Menschen ist nur Ausgangspunkt, um auf etwas ganz anderes aufmerksam zu machen. Etwas, was gar nichts mehr mit den eigenen Nöten zu tun hat.
Und zwar spricht die AfD den etablierten Parteien grundsätzlich ab, Deutschland dienen zu wollen. Sie sagen das Ziel, mit dem alle Parteien hier antreten: Dieses Land zu stärken, das meinen die gar nicht mehr ernst. Darauf lenkt sie die Wut der Unzufriedenen. Dass die Regierung das Volk verrate und Deutschland nicht mehr stärken würde.
Anstatt auf den richtigen Gedanken zu kommen, dass ein starkes Deutschland gar nicht das Wohlergehen der Bevölkerung bedeutet, tun sie etwas anderes. Sie behaupten, dass dieses Ziel angeblich nicht mehr verfolgt wird.
Diesen Schritt machen ziemlich viele Menschen. Von ihrer eigenen Not weg, hin zu nationalistischen Zielen. Das funktioniert so gut, weil nahezu alle relevanten politischen Kräfte auf dieses falsche Ideal pochen: Der Staat diene dem Wohl des Volkes, entsprechend bedeutet ein starkes Deutschland auch das sichere Wohlergehen seiner Bevölkerung. Diese falsche Vorstellung ist die Grundlage der AfD Kritik.
Davon ausgehend schlussfolgern Sympathisanten der AfD: Es geht Teilen des Volkes schlecht und währenddessen zahlt der Staat Geld an Ausländer und das Ausland – also dient der Staat nicht mehr seinem Volk. Mehr noch. Er verrate dieses. Denn das genannte Ideal der Politik sei ja nicht verwirklicht.
In dieser absurden Logik finden Rechte die Schuld für das Leid im Land auch daran, dass die Fremden; die Ausländer; die Flüchtlinge den nationalen Erfolg zerstören und die Politik ihnen dafür noch Tür und Tor öffnen. Die grausame Konsequenz dieses nationalen Denkens ist dann eine extreme Fremdenfeindlichkeit. In sich logisch, von außen betrachtet ganz und gar nicht.
Halten wir fest: Es gibt Leid in der Bevölkerung. Die AfD nutzt dieses, um darauf hinzuweisen, dass die Politik nicht mehr Deutschland diene. Obwohl das Wohl der Nation nicht das Wohl seiner Bevölkerung bedeutet, machen Rechte nun einen folgerichtigen, aber fatalen Schritt: ?
Sie wollen den „Volksverrat“ beenden, Politik nur für die Deutschen machen, alles und jeden bedingungslos auf das Wohl der Nation verpflichten. Dafür müsse durchgegriffen werden. Alles Fremde soll raus und alle Deutschen sollen wieder richtig in die Pflicht genommen werden.
Spätestens da sollte man doch mal sagen, an Menschen die da mitgehen; Menschen die Denken, ein hart geführtes Deutschland, JA das braucht es jetzt, da habe ich was von. – Das ist eine richtige Dummheit, die ihr da begeht.
Denn dieses rechte Denken bedeutet eins: die wirtschaftlichen Verhältnisse, die tatsächlich das ganze Leid produzieren, halten sie für gut und selbstverständlich. Was sie ändern wollen ist, die Leute noch härter darauf zu verpflichten. Für den Erfolg des Staates und dem deutschen Volk sollen sich alle bedingungslos unterordnen. Alle sich in ihrem individuellen Glücksstreben zurückstellen, für die deutsche Gemeinschaft.
Für sie steht fest: Nur wenn das alle tun, bzw. dazu gezwungen werden, dann funktioniert diese Gemeinschaft Volk auch wieder. Ja was mag das wohl bedeuten, wenn in einer Konkurrenzgesellschaft alle bedingungslos für den Staatserfolg verpflichtet werden?
Ich könnte jetzt auf viele Beispiele eingehen, doch ich möchte was zur Leistungsgesellschaft sagen. Denn hier ist dieser Verpflichtungsgedanke wirklich ganz offensichtlich absurd.
Wie auch für alle anderen Parteien ist es für die AfD völlig selbstverständlich, dass es oben und unten, arm und reich gibt. Denn für den wirtschaftlichen Erfolg der Nation braucht es Menschen in Niedriglohnsektor, Mittelschicht und Oberschicht. Es braucht Armut eines großen Teils des Volks. Für alle Parteien steht fest, wer aufsteigt hat es verdient durch harte Arbeit, wer absteigt, ist wahlweise dumm oder faul – auf jeden Fall selbst schuld.
Und da die AfD von jedem verlangt, sich seiner quasi naturgemäßen Rolle im Volk bedingungslos zu unterwerfen möchte sie Schluss machen, mit sozialstaatlicher Unterstützung. Obwohl die allermeisten Bürgergeldempfänger*innen faktisch nicht Schuld an ihrer Lage sind, werden sie von Rechten als Schmarotzer angefeindet, denen keine Unterstützung gebührt. Einige schlagen sogar Zwangsarbeit für Arbeitslose vor. Wem es wirtschaftlich schlecht geht, der soll seine Lage einfach akzeptieren und weiterarbeiten.
Da könnte man doch mal die klitzekleine Frage stellen, wie genau dass denn nun eigentlich die Nöte „des kleinen Mannes“ lindern soll?
Richtig, gar nicht. Denn darum geht es der AfD und ihren Anhänger*innen nicht. Sie wollen einzig und allein das wirklich Alle ihren Dienst an der Deutschen Gemeinschaft leisten. Aber eben dann auch nur die Deutschen was davon haben sollen.
Was für eine Scheisse ist das eigentlich? Alle sollen sich unterordnen, das Leben im Armut akzeptieren, damit es im großen Ganzen dem „Deutschsein“ dient?
Das was die AfD unzufriedenen Menschen entgegnet ist ein rabiater Wandel. Ja. Ein Programm, dass keine einzige Ursache von real bestehendem Leid in dieser Gesellschaft interessiert. Ein Programm, das dieses Leid aufgreift um etwas ganz anderes zu sagen: Alles und jeder soll auf das Gelingen von Staat und Nation verpflichtet werden.
Und dass ist wirklich nicht nur nicht erstrebenswert, sondern bedeutet in der Konsequenz noch viel mehr Leid für extrem viele Menschen. Das Wohl dieser Nation bedeutet eben nicht das Wohl aller in ihr lebenden Menschen. Der Reichtum der einen, ist die Armut der Anderen.
Und da muss man doch AFD Sympathisanten einfach mal entgegen halten: Was ist das eigentlich für ein Untertanenstolz? Ihr wollt eure eigene Ausbeutung effizienter gestalten? Ihr seid bereit auch selbst unterzuordnen und anderen Menschen Leid zuzufügen, für den Erfolg von „Deutschland“ der euch gar nichts nützt?
Also im Ernst: Uns bleibt nichts anderes übrig als diesen Menschen ihre Denkfehler aufzuzeigen. Wer unzufrieden mit seiner Situation ist und nun nach rechts sympathisiert, der möchte – ob bewusst oder nicht – diese Verhältnisse, die so viel Leid verursachen noch verschärfen. Das können wir nicht akzeptieren. Also heute und an allen anderen Tagen:
Gegen diese gefährlichen nationalistischen Verirrungen, gegen den kapitalistischen Normalzustand, für eine grundlegende Kritik an dieser Wirtschaftsweise.
Offensiv gegen Nationalismus